Medikation...



Eine der effektivsten Möglichkeiten, um die Vorteile von Barcode-Armbändern zu nutzen, ist deren Kombination mit einem automatisierten Medikamentenausgabesystem. Zunächst scannen die Schwestern oder Pfleger das Armband, um den Patienten mit einem Barcode-Scanner, der mit einem mobilen oder einem auf Station befindlichen Computer verbunden ist, zu identifizieren. Dann geben sie die Informationen zu dem verschriebenen Medikament über die Eingabe des National Drug Code (NDC) ein, der im Idealfall von einem Barcode auf dem Medikament selbst gescannt wird. (Alle Medikamente, die in Krankenhäusern ausgegeben werden, müssen laut einer Vorschrift, die von der Food and Drug Administration [FDA] im Februar 2004 ausgegeben wurde, ab April 2006 einen Barcode auf der Einzelpackung enthalten). Die Anwendungssoftware vergleicht diese Angabe mit den Informationen in der elektronischen Akte des Patienten, die durch das Scannen des Armbands aufgerufen wurde, um abzuklären, dass dieser Patient dieses Medikament in dieser Dosierung zu diesem Zeitpunkt erhalten sollte. Die Schwester oder der Pfleger fährt fort, nachdem auf dem Bildschirm eine Bestätigung oder eine Warnung erschienen ist. Warnungen werden oft von einem akustischen Signal begleitet. Zuletzt scannen die Pflegekräfte ihren eigenen Barcode oder ihre ID-Plakette, um festzuhalten, wer das Medikament verabreicht hat. Das System automatisiert die Abklärung der „fünf Richtigen“ grundlegend, wobei das Scannen des Armbands den richtigen Patienten und der Datenbank-Aufruf anhand des Medikamentenscans die anderen Elemente verifiziert.

Die FDA schätzt, dass der Einsatz solcher Systeme etwa fünfzig Prozent aller Medikationsfehler verhindern würde. In der Praxis wurden jedoch bereits wesentlich bessere Ergebnisse erzielt. Die amerikanische Veteran’s Administration (VA) führte das Scannen auf Station bei der Medikamentenausgabe in sämtlichen ihrer 173 Krankenhäuser ein, nachdem ein Test eine Senkung der Fehlerrate um 86,2 Prozent ergeben hatte.

Ungenaue Informationen zu den Kosten automatisierter Medikamentenausgabesysteme sind nicht sehr hilfreich, da die Einführungskosten stark von der Zahl der Pflegekräfte, die ausgestattet werden müssen, dem Zustand des vorhandenen Netzwerks, der Datenbanken und Informationssysteme, den mobilen Computern, die gewünscht werden, sowie der Komplexität der Software abhängen. Beispielsweise könnte die Anwendung ein intern entwickelter Datenbank-Aufruf oder Teil eines wesentlich größeren Systems für die computerbasierte Eingabe von Verordnungen sein. In einer Dokumentation, die die FDA zusammen mit der Vorschrift zum Einsatz von Barcodes auf Einzeldosis- Ebene herausgegeben hat, schätzt die Behörde, dass ein durchschnittliches Krankenhaus 344.615 EURO aufwenden müsste, um ein computerbasiertes System für die Medikamentenausgabe zu implementieren. Diese Zahl gibt zwar eine ungefähre Vorstellung von den Kosten eines Systems, ist jedoch aufgrund der oben beschriebenen Variablen nicht notwendigerweise eine gute Faustregel. Die vollständige Regelung kann mit einer detaillierten Analyse der hochgerechneten Implementierungskosten und Vorteile unter www.fda.gov/OHRMS/DOCKETS/98fr/04-4249.htm eingesehen werden.

Hinsichtlich der Vorteile, die ein solches System bieten kann, stehen jedoch wesentlich bessere Informationen zur Verfügung. In erster Linie verbessert die automatisierte Medikamentenausgabe durch die Vermeidung von Fehlern die Patientensicherheit. Der häufig zitierte Bericht des Institute of Medicine „To Error is Human, Building a Safer Health System“ schätzt, dass in den USA jedes Jahr über 770.000 Ereignisse bis zu 98.000 Todesfälle aufgrund von vermeidbaren Medikationsfehlern nach sich ziehen. Eine Studie kam zum Schluss, dass eine von fünf Medikamentenausgaben in Krankenhäusern oder erfahrenen Pflegeeinrichtungen fehlerhaft ist. Die FDA untersuchte das Auftreten von fehlerhafter Medikation und kam zu einer Rate von 2,4 bis 6,5 Prozent pro Einrichtung mit einer Durchschnittsrate von 4,3 Prozent. Für ihre Analyse setzte die FDA Durchschnittskosten in Höhe von 1.736,00 Euro pro Fehler an, wobei andere Schätzungen diese wesentlich höher angesetzt haben. Krankenhäuser wenden also durchschnittlich 7.465 Euro pro 100 Einweisungen auf, um die Effekte fehlerhafter Medikation zu behandeln (4,3 Fälle pro 100 Patienten x 1.736 pro Fall). Dies entspricht 75 Euro pro Einweisung.

Somit ergibt sich zusätzlich zu sicherheitsrelevanten und moralischen Erwägungen ein hoher finanzieller Anreiz, Medikationsfehlern vorzubeugen. Eine Einrichtung mit durchschnittlich 20 täglichen Einweisungen könnte 544.692 Euro an jährlichen Ausgaben in Verbindung mit Medikationsfehlern sparen. Wenn ein automatisiertes Medikamentenausgabesystem nur 50 Prozent der möglichen Fehler ausschließt, wie die FDA schätzt, würde die Einrichtung Kosten in Höhe von 272.346 Euro einsparen. Wenn das System dagegen 86 Prozent verhindern würde, wie bei der Veteran´s Administration, klettern die vermiedenen Kosten auf 468.435 Euro oder 6.420 Euro pro 100 Einweisungen.

Weniger Fehler führen auch zu weniger Haftungsfällen und Aufdeckungen von Kunstfehlern. Medikationsfehler sind laut einer Analyse von Dr. Byron J. Bailey, einem Mitglied des American College of Surgeons (ACS) die Ursache für fünf Prozent aller Schadenersatzansprüche aufgrund von Kunstfehlern. Ein Artikel, der in Legal Medicine veröffentlicht wurde, berichtet, dass annähernd 30 Prozent aller Kunstfehler in Verbindung mit Fehlern bei der Medikation stehen. 2000 wurden laut Jury Verdict Research für Prozesskosten in Verbindung mit Medikationsfehlern 489.880 Euro aufgewendet. Ein automatisiertes Medikamentenausgabesystem würde sich somit schon durch die Vermeidung eines einzigen Kunstfehlers bezahlt machen, während es die Sicherheit jedes Patienten in der Einrichtung verbessert.



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